Wie ich bemerkt habe sind schon einige monate vergangen seit dem ich meinen letzten grossen eintrag veroeffentlicht habe. das heisst also ich habe viel nachzuholen und weiss gar nicht wo ich anfangen soll...
also, alles begann vor mehr als drei monaten, als ich in perth in einem hostel seb kennen lernte. er erzaehlte mir das es ihn reizen wuerde mal auf einer cattle station (rinderfarm) zu arbeiten. das hoerte sich fuer mich auch ganz interessant an und wir malten uns schon aus wie toll es doch waere auf einem pferd zu sitzen und kuehe zu treiben... nun ja, zu diesem wunschtraum spaeter mehr...
wir beschlossen also dort zu zweit hinzugehen, nun mussten wir nur noch die zusage bekommen und alles waere perfekt. also angerufen und seb beschrieb kurz unsere taetigkeiten, carpenter and businessman und schon hiess es ihr koennt naechste woche anfangen. also flug gebucht, cowboyhut gekauft, sachen gepackt und ab ins outback.
wir landeten nach ca. 2std. flug in Newman(
Map), eine stadt nur gebaut fuer die arbeiter in den minen. dementsprechend war auch das flair dort. am flughafen erwartete uns ein sehr schraeger vogel mit vollbart und ca. 150 kg schwer, dem es schwer fiel deutlich zu reden und anscheinend auch zu atmen. er hatte schweres astma aber liess es sich trotzdem nicht nehmen seine 40 zigaretten am tag zu rauchen. nun ging es ueber 100 km auf einer dirtroad zur cattle station und wir hatten keine ahnung was uns dort erwartet, der erste eindruck von unserem chauffeur war ja schon mal sehr speziell. als wir dort ankamen war es schon dunkel und wir konnten nicht wirklich viel erkennen bis auf zwei kleine flugzeuge und einen mann ca. anfang sechzig mit einer pistole und 3 ersatzmagazinen am guertel. wir schauten uns nur an und dachten wohl beide dasselbe " wenn das mal alles gut geht".
anschliessend wurden uns unsere raeume gezeigt. wir wohnten in einem umgebauten "schiffsconstainer" der in 4 raeume unterteilt war. wirklich viel luxus war das nicht, vorhaenge heruntergerissen und zerfetzt, fenster kaputt und wenn man sich aufs bett legte hatte man das gefuehl von ihm verschlungen zu werden.
am naechsten morgen versuchten wir uns erstmal einen ueberblick von dem ganzen zu verschaffen. die station war vor vielen jahren mal ein kleines dorf mit post office, kleinem supermarkt und einigen haeusern. da sie aber nun schon seit einigen jahren von 2 bruedern gefuehrt wird, die nach langer zeit im outback wohl das gefuehl fuer die realitaet verloren hatten, vergammelte dort unmengen an potential.
das ganze leben fand in wohncontainern statt, was manchmal die lebensqualitaet sehr sinken liess.




es ist schade zu sehen wie ganze hauser einfach verfallen und es niemanden kuemmert, das einzige worum sich diese 2 alten herren sorgten war ihr hund. ohh, baby hier, baby da. sobald der dingo auch nur einen mucks machte liessen sie alles stehn und liegen um ihn zu umsorgen wie eine queen!
aber wir nahmen zum glueck alles mit viel humor und schmunzelten einfach, statt uns auf zu regen.
unsere hauptsaufgabe bestand darin zu "mustern".
mustering bedeutet das man die kuehe von der ganzen station (400 tausend hektar) in etappen zusammentreibt und sie anschliessend in ein grosses eingezaeuntes gehege jagt.
unser team bestand aus neun leuten, 5 Buggis (umgebaute jeeps), 3 quadbikes und ein helikopter.










meine aufgabe bestand darin mit einem quadbike oder einem buggi, darauf zu achten das keine kuehe aus der zu treibenden herde ausbrechen und falls doch diese wieder zurueck zu jagen.
die groesse der zu treibenden mobs bestand im durchschnitt zischen 800 und 1200 tieren. diese mussten zum teil ueber distanzen von 20 kilometern getrieben werden, was oftmals den ganzen tag in anspruch nahm. das hiess also 12std. hinter den tieren her zu fahren und das bei 30grd, unglaublich viel rotem staub, zum teil nervtoetendes kuh gemuuhe und gestank.
nun, wenn die kuehe erstmal in das gehege (yard) getrieben waren, begann der hauptteil des musterings. man fing an die kuehe zu separieren, d. h. mutterkuehe und ihre kaelber in ein seperates gehege, stiere (kastrierte bullen) und bullen ebenfalls in unterschiedliche gehege.
anschliessend fing der eher schweisstreibende akt an, es mussten alle kuehe markiert werden, was bedeutet das sie ohrmarkierungen bekommen, hoerner abgeschnitten werden und die kleinen bullen bekamen einen ring um ihre hoden. dies alles beanspruchte ca. 2 - 3 tage bei 1200 kuehen. nun wenn diese arbeit beendet war, wurden bullen und stiere verladen und verkauft und die mutterkuehe und ihre kaelber wieder frei gelassen und das ganze spiel begann von vorne...










zwischen den musterings hatten wir meistens 2-4 tage zeit andere arbeiten zu verichten. wir reparierten die unterschiedlichsten sachen, bei roadtrains angefangen, ueber wasserpumpen, stromgeneratoren, autos, flickten reifen und sassen herum.
das lustige an unseren 2 chefs war das sie anscheinend freude daran hatten uns nur fuers rumsitzen zu bezahlen. ein bezahlter tag auf der station sah nicht selten so aus: um 8 uhr aufstehen, fruehstueck bis 9h, danach ca. 1 std. unter einem baum im schatten liegen, danach ca. 1-2 std. arbeit und schon wieder war mittagspause angesagt, nach ca. 3 std. mittagspause wurde evtl. noch mal 1std. gearbeitet und dann hiess es feierabend. es war nicht immer ganz einfach soviel geduld zu ueben, aber wie man so schoen sagt, man(n) gewoehnt sich an vieles ! irgendwann kamen wir auf die idee, wir koennten uns ja aus den ca. 8 kaputten motorraedern 2 funktionsfaehige zusammen bauen. dies taten wir dann auch und nach einigen std. arbeit, hoerte man zwei laut knatternde bikes aus der scheune. so bestand unsere abendbeschaeftigung ab sofort darin sich aufs bike zu schwingen und den kuhen und kaengurus hinterher zu jagen. ich habe diese momente sehr genossen, einfach irgendwo im nirgendwo dem sonnenuntergang entgegen zu fahren und die australische luft im gesicht zu spueren.




ich muss sagen ich habe in diesen 3 monaten auf der station sehr viel gelernt, vorallem ueber australien, tiere, menschen und die oftmals sehr anstrengende und unorganisierte arbeitsweise der australier.
es ist interessant einmal hinter die kulissen der fleischindustrie schauen zu koennen und ich muss sagen, dass ich oftmals ueber meinen schatten springen und auch einige male schwer schlucken musste. ich bemerkte ziemlich schnell das wenn man anscheinend 16 tausend kuehe besitzt ein kuhleben leider nicht all zu viel wert ist. so wurde z.b ein kaelbchen mit gebrochenem bein einfach erschossen, da dies die einfachere methode war und man sich keine zeit nehmen wollte es zu verarzten. jedes mal wenn wir musterten starben in der regel 1-2 kuhe, dies war wirklich nicht immer einfach mitanzusehen. einige von unserem team hatten teilweise keine nerven mehr fuer die tiere und es kam vor das diese mit den stahlkappenschuhen getreten wurden.
nun ja, ich muss zu geben es viel nicht immer leicht geduldig zu sein. ihr muesst euch mal vorstellen, man steht von morgens um 6 bis abends um 6h in einem eingezeuanten gebiet inmitten von 1000 kuehen, den ganzen tag dem gemuhe ausgesezt und oftmals konnte man nur noch schwer atmen durch den von den tieren aufgewirbeltem roten und sehr feinem staub.
ich bin froh das diese 3 monaten vorbei sind und das seb und ich uns immer wieder gegenseitig aufgebaut haben, wenn die nerven mal flatterten.
nun hiess es noch ein paar kleine dinge am auto zu reparieren, benzin- und wasserkanister fuellen und ab auf die strasse richtung broome (
).
ich habe nun seit ca. 2 wochen hier eine arbeit als zimmermann gefunden und fuehle mich hier in fremantle sehr wohl.